Ü30-Parties - da geht noch was

 

„Du hast mich tausend Mal belogen…“ Schon am Eingang dröhnt mir penetrant Andrea Berg entgegen. Es ist 22.00 Uhr, mitteleuropäische Sommerzeit, Samstagabend.

Ich will mal ganz ehrlich sei: Im Normalfall höre ich Schlagermusik frühestens so gegen 3.00 Uhr morgens nach dem Genuss einer ausreichenden Menge alkoholischer Kaltgetränke. Ist man doch erst dann mental in der Lage, Zugang zu den Texten zu finden und eben diese lauthals mitzugrölen. In der Regel verlasse ich an einem Samstagabend die Wohnung auch nicht vor mindestens 23.00 Uhr, um mich amüsieren zu gehen. Doch heute Abend ist Ausnahmesituation! Ich bin auf einer Ü-30 Party − da ticken die Uhren eben anders. Hier gilt noch die Maxime: Der frühe Vogel fängt den Wurm.

Als weiblicher Besucher in den ersten Ü-30 Jahren atmet man auf diesem Bagger-Massenevent sofort erleichtert auf. Von der Spaghettiträger-Bauchfrei-Fraktion U- und Ü-20 bleibt Frau hier weitestgehend verschont. Hey, geh doch als Frau in den besten 30ern mal in eine durchschnittliche Disko. Da bewahrt dich doch selbst das Superglam-Antishine-Perfect-Look-Make up von Douglas (welches dich fast ein halbes Nettomonatseinkommen gekostet hat) nicht davor, für die Mehrzahl der dort anwesenden Männer praktisch unsichtbar zu bleiben. Die Konkurrenz ist einfach zu groß. Und vor allem zu jung. Das frustriert. Das nagt.

Auf so einer Ü-30 Party hingegen bist du mit Anfang dreißig noch ein Küken. Da stehen dir alle Türen offen. Du bist quasi die Königin. It`s your Heimspiel, könnte man fast sagen. Ich persönlich bin mittlerweile ein echter Fan dieser Veranstaltungen. Samstagabend, 23 Uhr und Frau wird von allen Seiten beflirtet. Labsal für`s Ego, Streicheleinheiten für die empfindliche, hin und wieder schon in Richtung Torschlusspanik tendierende, weibliche Seele. Gibt es eine bessere Möglichkeit, seinen Marktwert zu testen? Da nehme ich doch gerne auch mal Andrea Berg ein paar Stunden zu früh in Kauf. Man muss auch mal Abstriche machen können. Und Prioritäten setzen.

Es wird gebaggert, getanzt, gefeiert, was das Zeug hält. Langzeitsingles schöpfen langsam wieder Hoffnung, dass sich vielleicht doch noch eine neue Liebe finden könnte. Und sei es nur für diese eine, ganz besondere, Nacht. Nichtsingles haben nicht selten die gleiche Hoffnung. Sofern sie dieses Event ohne ihren Partner besuchen.
In den frühen Morgenstunden geht man zutiefst befriedigt nach Hause. Vielleicht nicht alleine, aber selbst wenn, dann mit dem guten Gefühl: Da geht noch was!

 

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