Psychologische Kriegsführung

 

Auf den ersten Blick haben Krieg und Liebe nicht viel gemeinsam und doch gibt es den bekannten Satz „Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt“. Wer hat sich so etwas wohl einmal ausgedacht und warum? Ich bin mir ziemlich sicher, dass nur eine Frau es gewesen sein kann, von der dieser weise Ausspruch stammt.

Wir Frauen sind doch irgendwie die Meister der taktischen Kriegsführung auf dem Schlachtfeld der Liebe. Raffiniert und subtil planen wir jeden Zug, nachdem wir unsere potentielle „Beute“ ausgespäht haben. Fast schon mathematisch berechnen wir jeden Schritt – da soll noch mal ein Mann sagen, Frauen könnten nicht analytisch denken. Dabei kommt uns natürlich ungemein zugute, dass die meisten Männer diese extrem ausgeprägten Fähigkeiten der Frau im Bereich des intergeschlechtlichen Kampfes schlicht und einfach vollkommen unterschätzen.

Welcher Mann würde bei Erhalt einer SMS schon auf die Idee kommen, dass dieser Kurznachricht eine zweistündige Diskussion mit drei Freundinnen vorangegangen ist, während welcher – psychologisch genauestens durchdacht – der Inhalt eben dieser SMS kreiert wurde. Kaum ein Mann würde wohl auch nur auf die Idee kommen, dass die Aussage einer Nachricht wie „Ich wollte einfach mal hören, wie es dir so geht“ eigentlich eine ganz andere ist als einfach nur mal hören zu wollen, wie es ihm geht. Strategisch gesehen passiert da viel mehr, und der normale Mann ahnt überhaupt gar nichts davon. Er wird nun komplett analysiert, kategorisiert und berechnet. Wie lange lässt er sich Zeit, bis er eine Antwort sendet? Er antwortet schnell? Gut, er ist also recht interessiert. Nun wird der nächste Zug optimiert. Er braucht lange? Na da muss eine neue Strategie her, ein neuer Schlachtplan mit verkürzter Angriffstaktfrequenz um sein Interesse zu schüren. Was antwortet er? Jedes seiner zurück geschriebenen Worte wird nun (meist im Kreise der sieben engsten Freundinnen) auseinander genommen, gedreht, gewendet, von allen Seiten beleuchtet. Auch hier erfolgt dann wieder die Anpassung der Vorgehensweise. Und so eine SMS ist da erst der Anfang. Es gibt ja auch noch E-Mail, Telefonate oder gar persönliche Verabredungen...

Eine Frau wirkt sehr desinteressiert, meldet sich aber trotzdem, reicht einem Mann doch immer wieder die Spitze des kleinen Fingers? Dann hat sie wirklich Feuer gefangen, sie ist verliebt. Nur wäre es – taktisch gesehen – für sie nicht so leicht zu vertreten, einfach klar und deutlich ihre Gefühle zu formulieren, denn dann wird sie für IHN ja schnell langweilig. Mann soll ja das Gefühl haben, er müsse sie „erobern“. Vor allem muss er sich für den „Jäger“ halten, nicht für die Beute, die er ja eigentlich schon lange ist. Daher auch der eiserne Grundsatz der meisten Frauen: Rufe niemals zuerst an!

Oft sagen Frauen auch das Gegenteil von dem, was sie eigentlich gern sagen würden, spielen das „Kriegsspiel“ perfekt. Aber ist es nicht sehr schade, dass man in der Liebe auf Taktik und Tricks zurückgreifen muss? Können ehrlich Worte, direkt ausgesprochen „den Gegner“ manchmal nicht viel mehr entwaffnen? Möchte man einen Mann, den man nur durch Tricks für sich einnehmen kann, wirklich zum Partner haben? Möchte man nicht um seiner selbst willen begehrt und geliebt werden und nicht, weil man „das Spiel“ perfekt beherrscht? Aber Mann macht es uns Frauen oft verdammt schwer, denn ist man lieb und nett, so ist man leider oft auch recht schnell uninteressant. Ist man unnahbar und rätselhaft, lässt den Mann nie wirklich wissen, woran er ist, dann bleibt man begehrenswert.

Ich für meinen Teil will nicht mehr spielen, ich möchte einfach ehrlich sein und mich nicht aus „taktischen“ Gründen verstellen, nicht mehr darüber nachdenken, wie ich subtil mein Gegenüber dazu bringe, so zu handeln, wie ich es möchte, keine Schlachtpläne mehr entwerfen, keine neuen Strategien entwickeln. Irgendwann sollte man dem Alter für Spiele einfach entwachsen sein, zumindest auf dem Gebiet der Liebe. Ansonsten gibt es ja zur Befriedigung des Spieltriebs noch „Monopoly“ oder „Mensch ärgere dich nicht“, da kann man doch weiß Gott genug taktieren.

 

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