Champions-League vs. Kreisklasse

 

Mal ehrlich, meine Herren: Wie denkt der typische Mann über die Ankündigung eines Fußballspiels, in dem der FC Bayern München, bekanntermaßen 1. Bundesliga, gegen den TuS Hinterkleinkleckersdorf (3. Kreisklasse, Platz 12) antritt?

Er wird lachen. Er wird lästern. Und er wird denken: Das kann nicht passen. So etwas funktioniert doch nicht. Das Spiel ist doch vor Anpfiff schon entschieden. Und es ist völlig klar, wer da wohl unterlegen sein wird.

Richtig! Das geht nicht. Das verstehen sogar Frauen. Auch wenn sie nicht erklären können, was ein Abseits ist. Treten zwei Mannschaften gegeneinander an, deren spielerisches Niveau durch mehr als eine Liga getrennt ist, so wird kein ausgeglichenes, ja vielleicht sogar spannendes Spiel zustande kommen. Jedenfalls meistens. Warum nur können so wenige Männer diese einfache Regel auch außerhalb des Fußballplatzes anwenden?

Glauben wir modernen Verhaltensstudien, so neigen Frauen dazu, sich zu unterschätzen. Männer hingegen haben eher den Hang zur leichten Selbstüberschätzung. Um es plastischer auszudrücken: Ein Mann, der bestenfalls und mit viel Wohlwollen Kreisliganiveau erreicht, hält sich gern mal für eine Champions League. Gut, er ist halt selbstbewusst, könnte Frau nun denken. Doch der Grad ist schmal zwischen gesundem Selbstbewusstsein und beginnendem Größenwahn.

Im Ernst: Als Frau hast du nicht unter vier Stunden im Badezimmer zugebracht, hast alles gegeben. Haare, Make up, Epilieren, Augenbrauen zupfen − das volle Programm. Du bist gefühlte Regionalliga, tatsächlich also Regionaloberliga. Frauen unterschätzen sich ja immer. Du bist unterwegs. Frohen Mutes stehst du an der Bar und harrst der Dinge, die da kommen sollen.

Und dann kommen sie. In Form einer breit grinsenden dritten Kreisklasse (auf einem Abstiegsplatz, falls es den da überhaupt noch gibt). Die Kreisklasse ist mindestens 15cm kleiner als du, sein leicht fettender Haaransatz beginnt etwa in der Mitte seines Hinterkopfes, 10kg Übergewicht machen es sich appetitlich über seinem brauen Ledergürtel mit Levis Schnalle (mitgebracht von der letzten Busreise zum Polenmarkt) bequem. Er grinst dich breit an und sagt einen ähnlich intelligenten Satz wie: „Hey, auch hier?“

Wie fühlst du dich? Irgendwie ein bisschen wie der FC Bayern München bei einer Herausforderung durch den TuS Hinterkleinkleckersdorf: Amüsiert. Aber auch ein wenig schockiert. Sollst du nun lachen oder weinen? Und auf jeden Fall bist du ein wenig beleidigt. Bildet dieser Kerl sich wirklich ein, DU könntest nichts Besseres mehr abkriegen??? Unverschämtheit!

Man(n) kann nicht immer gewinnen. Hin und wieder spielt man eben nicht in einer Liga. Vielleicht wäre es angebracht, dann mal über einen Abstieg nachzudenken. Dann besteht vor allem die Chance auf einen der Aufstiegsplätze in der unteren Liga. Ist doch allemal angenehmer als der harte Kampf auf den Abstiegsplätzen. Und mit ein bisschen Training klappt der Aufstieg dann oft schneller, als man(n) denkt.

Gleiches gilt natürlich auch für Frauen, die das Spiel mit den Klassen noch nicht verstanden haben. Denn selbstverständlich können auch Exemplare der weiblichen Spezies an einem leicht verzerrten Selbstbild leiden.

 

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